Der schwarze Kasten

Deutschland 1992, Dokumentarfilm, digital, Farbe, 94'
Regie
Tamara Trampe, Johann Feindt
Kontakt
Tamara Trampe
Synopsis

Enge Innenräume. Ganz nah kommt die Kamera dem Gesicht eines Mannes. Langsam tastet sie seine Oberfläche ab: Jochen Girke. Er ist 1949 geboren und in der DDR aufgewachsen. Tamara Trampe ist 1950 als Kind aus der Sowjetunion zugewandert. Der eine stellt sich in den Staatsdienst, die andere wird zur Staatsfeindin erklärt. Warum? Im Jahr 1990 beginnt Tamara Trampe in Zusammenarbeit mit Johann Feindt das filmische Psychogramm eines Schreibtischtäters zu zeichnen, das damit auch den Pathologien der deutschen Gesellschaftsgeschichte auf den Grund zu gehen sucht. Wie bist du geworden, wer du heute bist? Girke hat viele Jahre als Psychologe für den Geheimdienst der DDR gearbeitet. Der Rückblick beginntin der frühen Kindheit und reicht bis ins Jetzt. Nach der Auflösung des Staats flüchtet er nach vorn: Er redet öffentlich über seine Stasi-Vergangenheit und stürzt sich in den nächsten Job als Wahlkampfberater der PDS. Wir hören sein Umfeld: Den Oberschullehrer, seine Mutter, die Ehefrau, Professor*innen des psychologischen Instituts. Trampe trifft auf Scham und Betroffenheit, aber auch erstaunlich viel Gleichgültigkeit und Ratlosigkeit. Einzig der Schriftsteller Jürgen Fuchs, der selbst der Gewalt der Stasi ausgesetzt war, findet klare kritische Worte.

Gast: Tamara Trampe

Sa, 12.09.2020 20:30 Uhr, KHM Kunsthochschule für Medien, Tickets