Fokus: Über Deutschland

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R: Marie Wilke, DE 2018

In der Kölner Ausgabe stellt das IFFF stets ein Land oder eine Region in den Fokus. Nach der Auseinandersetzung mit Kinematografien diverser Länder in den vergangenen Jahren, richtet ÜBER DEUTSCHLAND den Blick nach innen. Der Fokus des Festivals 2018 präsentiert sich als offenes künstlerisches und politisches Plädoyer für Vielfalt jenseits von Nationaldebatten.

Identität und Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Empowerment sind Schlüsselbegriffe des Programms. Falls Angehörige sogenannter Minderheiten überhaupt in Kulturprodukten repräsentiert werden, sind sie eher Protagonist*innen und Themen, als dass sie selber Handelnde sind und eigene Themen setzen. Diese Ausschlüsse, Hierarchien und Machtstrukturen werden im Filmbereich und auch im Kulturbetrieb insgesamt kaum thematisiert.

Zum Themenschwerpunkt ÜBER DEUTSCHLAND lädt das Festival daher verschiedene Akteur*innen, Initiativen und Projekte ein, um gemeinsam über diese strukturellen Rassismen nachzudenken und Alternativen anzubieten. Mehr als zehn Filmemacher*innen, Kurator*innen, NGOs und Institutionen, denen die Vielstimmigkeit in diesem Land ein grundlegendes Anliegen ist, sind beteiligt an dem von Betty Schiel kuratierten Programm.

Entwicklungslinien und Strukturen von Diskriminierungen in der deutschen Gesellschaft, aber auch gelungene politische Interventionen, zeigen unsere historischen Filme auf. Zum Beispiel dokumentiert PIERBURG. IHR KAMPF IST UNSER KAMPF von Edith Schmidt und David Wittenberg den von Gastarbeiterinnen vorangetriebenen, legendären Arbeitskampf 1974 beim gleichnamigen Automobilzulieferer in Neuss. Shelly Silver befragt in FORMER EAST, FORMER WEST (1994) nach der Wiedervereinigung Passanten in Berlin nach ihren Wünschen und Angela Melitopoulos verortet in PASSING DRAMA (1999) den Beginn von Fluchtbewegungen als Massenphänomen am Ende des ersten Weltkriegs.

Das "Tribunal NSU-Komplex auflösen" ist eingeladen, beim Festival mehrere NSU-Spots vorzustellen. Das sind kurze Videos verschiedener Autor*innen, die unter anderem zur Mobilisierung für das Tribunal entstanden und die blinden Flecken in der Aufarbeitung des NSU-Komplexes thematisieren. Wie wir uns mit Hilfe von filmischen Bildern erinnern, fragen die Filmemacherinnen Cana Bilir-Meier und belit sag in ihrem Kurzfilmprogramm: Wer spricht und wer wird adressiert? Wer profitiert davon, was und in welcher Lesart erinnert wird und in die Geschichtsschreibung eingeht?

Neben dem Filmprogramm wird es eine szenische Lesung der Fernsehserie HEIM geben. Bisher will kein deutscher TV-Sender die Serie, in der es um Ausländer*innen in Deutschland geht, in Auftrag geben. Warum das so ist, kann im Anschluss mit Liwaa Yazji, eine der Autor*innen von HEIM, diskutiert werden.

Schon im Vorfeld des Festivals startet ein Workshop unter dem Motto "I speak so you don’t speak for me". Gemeinsam mit der Filmemacherin Britta Wandaogo wird in Köln ein Ü-Wagen, Leihgabe des Projekts "Paradise Park" der Fakultät Design der Hochschule Düsseldorf Peter Behrens School of Arts zum Einsatz kommen. Teilnehmer*innen können während des Workshops ihre Ansichten über sich und ihr Umfeld in einem Video umsetzen, das im Festivalprogramm präsentiert werden wird.

Gefördert von:
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Stadt Köln

Mit Unterstützung der:
Zukunftsakademie NRW, Gleichstellung der Kunsthochschule für Medien Köln

Video-Workshop in Kooperation mit:
Fakultät Design der Hochschule Düsseldorf - HSD PBSA, DAKO e.V., Alte Feuerwache Köln e.V.