The Connection

USA 1961, Spielfilm, 105’ | Regie Shirley Clarke | Buch Jack Gelber | Bildgestaltung J. Ornitz | Schnitt Shirley Clarke, Patricia Jaffe | Musik Freddie Redd | Darsteller_innen Warren Finnerty, Jerome Raphel, Garry Goodrow u.a. | Produktion Allen-Hodgdon Production | Verleih Arsenal Distribution

Synopsis
»Sie wollte wirklich neue Wege gehen. Sie wollte Regeln brechen. Und mit The Connection hat sie so gut wie jede Regel gebrochen, die man im Film brechen kann. Sie spielte mit der Frage, was Realität und was Fiktion ist, was man über Menschen denkt. Eines der Dinge, die die Leute so aufgebracht hat, ist, dass die Junkies so ohne Reue sind, dass sie ihre Situation nicht tragisch nehmen. Es sind keine gefallenen Menschen, die mit ihrem Leben hadern. Es gibt keine Reue in diesen Filmen.«

Dennis Doros

Der Film zeigt, wie eine Gruppe drogenabhängiger Jazzmusiker in einer New Yorker Wohnung auf ihre »Connection« wartet, während ein zweiköpfiges Dokumentarfilmteam die Situation aufnimmt. In Begleitung einer christlichen Straßenpredigerin trifft der Drogenhändler ein. Spätestens als der Filmemacher, dessen Bibel Kracauers Theory of Film ist, ihn auffordert, den Blick von ihm zu lassen und nach seiner Kamera wie nach einer Waffe greift, verschieben sich die Machtverhältnisse unwiederbringlich. Das Filmteam und die Protagonisten verhandeln Fragen von Moral und Gesellschaft sowie das Verhältnis von Realität und Fiktion in einer schwindelerregenden Choreografie von Zuständen: Scharfsinn, Rausch und Entzug. Die Kamera, mal Handkamera, mal statisch, wird zur leitenden Hauptfigur; es scheint, als habe sie nicht nur einen Körper und ein Gehirn, sondern ein Gewissen. The Connection seziert das Kino und ging als Meilenstein des Cinéma Vérité, aber auch als Jazzmusical in die Filmgeschichte ein. Der Film wurde 1962 – kaum dass er in Cannes den Preis der Jury bekommen hatte – von den Behörden in New York verboten. Als ein Theater den Film dennoch zeigte, kam die Polizei. Grund für das Verbot war die Sprache der Protagonisten: zu vulgär.

Biografie
Shirley Clarke wurde 1919 in New York geboren. Sie studierte Tanz – unter anderem an der Johns Hopkins University und am Bennington College. Stilistisch beeinflussten sie die Ausdrucksformen des Modern Dance von Martha Graham oder auch Hanya Holm. 1954 ging Clarke zum Filmstudium an das City College in New York. In Greenwich Village schloss sie sich ein Jahr später den Independent Film Makers of America an. 1961 unterzeichnete sie das Statement for a New American Cinema und war kurz darauf Mitbegründerin der Film-Makers’ Cooperative in New York. Ab Mitte der 1970er Jahre unterrichtete Clarke Film und Video an der University of California (UCLA). Zeitgleich entstanden Live-Video-Performances mit Andy-Warhol-Superstar Viva, über die sie auch zum Tanz zurückfand. The Connection ist ihr erster abendfüllender Film. Shirley Clarke starb 1997 in Boston, Massachusetts.


Filme von Shirley Clarke (Auswahl)
Ornette: Made in America 1984 | Tongues 1982 | Savage/Love 1981 | Trans 1978 | Portrait of Jason 1967 | The Cool World. Robert Frost: A Lover’s Quarrel with the World 1963 The Skyscraper 1960 | A Moment in Love 1955 | In Paris Parks 1954 | A Dance in the Sun 1953

Shirley Clarke
USA
1961
Spielfilm
2013
Fokus: Exzess