Nichts für die Ewigkeit

Deutschland 2011, Dokumentarfilm, DigiBeta, Farbe, 81’ | Regie, Buch, Bildgestaltung & Schnitt Britta Wandaogo | Produktion wandaogo productions

»Meine erste Videokamera 1993. Dirk und ich sitzen im Bett und filmen uns gegenseitig. Ich sage zu ihm: >Ich bin jetzt 27 Jahre alt und total fertig, aber vorher bringe ich meinen kleinen Bruder noch auf HOCH!< Was auch immer damals mein Vorhaben war, ab dieser Zeit habe ich unzählige Situationen mit uns gemeinsam gefilmt, unser Leben >zwischendurch< mit der Kamera festzuhalten war Schutz und Erinnerung zugleich. ... Dirk starb, unsere Familie brach auseinander – doch Dirk war meine Familie! Mit ihm verband mich eine Nähe, ein Humor, der vielleicht nur zwischen Bruder und Schwester existieren kann. Seine Heroinsucht war eine Begleiterscheinung mit der wir beide leben mussten – immer getragen von dem Gedanken, dass er da irgendwie rauskommt.
Im Sommer 2010 begann ich einige Kisten mit Kassetten zu öffnen, Rohmaterial und kleine private Szenen – die ich mir nie zuvor angesehen hatte. Alles wurde wieder lebendig.«
Britta Wandaogo

»Das Material, das Wandaogo zur Verfügung hatte, waren Stunden um Stunden von Aufnahmen, die sie – immer mehr oder weniger aus der Hand heraus – in Gesellschaft ihres Bruders gedreht hatte. Er verladen, oder schlafend, aufwachend, charmant, immer wieder charmant, dann wieder völlig drauf, inkohärent und verzweifelt. Britta Wandaogo manchmal im Bild, von ihm gefilmt, als Co-Abhängige von ihm klassifiziert, herabgesetzt und geliebt und ausgenutzt und aufgestellt: Material, das vor Spannung bebt. Schon die ersten Einstellungen platzen von Symbolkraft: Dirk fährt mit dem Motorrad vor, irgendwo im Süden in Dschungelnähe, die Schwester steigt hinten auf, hält immer weiter die Kamera, rasante Fahrt. Und schließlich bleibt das Motorrad im Schlamm stecken bis über die Naben.«
Michael Sennhauser, Radio DRS2

Wie in den meisten ihrer Arbeiten kehrt Britta Wandaogo auch in dieser Dokumentation Privates radikal nach außen.

 

Biografie
Die 1965 in Unna geborene Dokumentarfilmerin BRITTA WANDAOGO ist qualifizierte Kommunikationsdesignerin. Sie studierte von 1986 bis 1992 an der Bergischen Universität Wuppertal. 1994 entstand mit Den Affen töten ihr erster Dokumentarfilm – ebenfalls über ihren Bruder. An der Kunsthochschule für Medien Köln erwarb sie 1998 ein weiteres Diplom im Fachbereich Audiovisuelle Medien. 2000 gründete sie mit wandaogo productions ihre eigene Produktionsfirma. 2003 wurde sie Gründungsmitglied des Dokumentarfilmnetzwerks LaDoc. Ihr vielfach ausgezeichnetes filmisches Werk ergänzen Musikvideos, Installationen und audiovisuelle Ausstellungsbeiträge. Nach Lehraufträgen an der FH Düsseldorf University of Applied Sciences in den Fachbereichen Design und Dokumentarfilm ist Britta Wandaogo dort seit 2010 , Professorin für Audiovisuelle Medien.

 

Filme von Britta Wandaogo (Auswahl)
Ohne mein viertes Kind 2009 | Halbschwarz geht nicht 2009 | 1200 brutto 2007 | Die Krokodile der Familie Wandaogo 2003 | Liebe Weiss Schwarz 2003 | Liebe Schwarz Weiss 2001 | Bifou Biga 1998 | Une Image d’Ambition 1997 | Eigentlich geht’s ja um nichts 1996 | With a Big Monster 1995 | Den Affen töten 1994

 

Mittwoch, 18. April 2012, 20.00 Uhr, Filmforum, Ticket
Donnerstag, 19. April 2012, 20.00 Uhr, Kino im U (Dortmund), Reservierung

Britta Wandaogo
Deutschland
2011
Dokumentarfilm
2012
Panorama