Wehmut und Wildnis

Niederlande 2010, Documentary, 88' Director Digna Sinke | Camera Jan Wich, Jan Wich | Screenplay Digna Sinke | Sound Tom d’Angremond | Producer Digna Sinke SNG Film | Production Company SNG Film

Synopsis

2006 beginnt südlich von Rotterdam auf der holländischen Insel Tiengemeten ein ungewöhnliches Experiment. Die Insel, die über Jahrhunderte aus eingedeichten Wattflächen entstanden war, wird in einen Naturpark verwandelt. Straßen werden aus der Erde gerissen, Deiche teilweise wieder geöffnet, Bauernfamilien umgesiedelt, Ackerland und Viehweiden der Natur überlassen. 1990 hatte die niederländische Regierung diesen Beschluss gefasst. Drei Landschaftszonen sollen entstehen. Sie heißen Wehmut (Weemoed), Fülle (Weelde) und Wildnis (Wildernis).
Der flache Dschungel der Insel ist auch die Kindheitslandschaft der Regisseurin Digna Sinke. Über 16 Jahre hat sie den ungewöhnlichen Renaturierungsprozess auf Tiengemeten begleitet. In ihrem Filmessay Weemoed & Wildernis verfolgt sie die Rückkehr der ursprünglichen Landschaft. Der Film zeigt, wie diese sich verwandelt – aber auch den Blick, den die Dokumentarfilmerin auf sich selbst wirft. Im Verlauf der Drehzeiten ändern sich Blickwinkel und Ansichten. Digna Sinke zeigt Momente einer Landschaft auf dem Weg zurück zur Natur und blickt zugleich nostalgisch auf eine Agrarlandschaft zurück, die zugunsten der Wildnis verschwindet. Weemoed & Wildernis ist eine filmische Meditation über das Vergehen der Zeit. Strukturen lösen sich auf. Die Welt der natürlichen Zufälle lässt Pflanzen wachsen, wo niemand sie vermutet und nimmt Wassereinbrüchen ihre Bedrohlichkeit. Sinke zeigt Tiengemeten als Bereicherung der chaotischen Schönheit, die die Natur erschafft und als starke Wildnis, die zurückkommt, sobald der Mensch zur Seite tritt.
 

Biographie

Digna Sinke wurde 1949 im niederländischen Zonnemaire geboren und schloss 1972 ihr Filmregie-Studium an der Nederlandse Film en Televisie Academie ab. Ihr erster Spielfilm De stille Oceaan war 1984 im Wettbewerbsprogramm der Berlinale zu sehen. 2001 übernahm sie die Produktionsfirma SNG Film von ihrem verstorbenen Ehemann. Mit Belle van Zuylen – Madame de Charrière, einem Film über die gleichnamige Schriftstellerin niederländischer Herkunft, gewann sie 1994 den Großen Preis des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg.

Filme von Digna Sinke (Auswahl)
Atlantis 2008 | Belle van Zuylen – Madame de Charrière 1993 | Boven de bergen 1992 | De stille Oceann 1984

Digna Sinke
Niederlande
2010
Dokumentarfilm
2011
Fokus: Was tun