Internationaler Spielfilmpreis 2011 für ATTENBERG

Dr. Hanns-Ferdinand Müller (RWE Vertrieb AG), Athina Rachel Tsangari (Preisträgerin), Melissa Silverstein, Maren Kroymann (Jurymitglieder), Silke Räbiger (Festivalleiterin)

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis für den besten Spielfilm geht an die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari. Sie erhält den Preis für ihren Film Attenberg, eine Geschichte über Freundschaft, Lebenslust und Verlust, die mit distanziertem Minimalismus und großen Bildern erzählt wird. Der Film war in Dortmund als deutsche Erstaufführung zu sehen ebenso wir der argentinische Beitrag La mosca en la ceniza von Gabriela David, der mit einer lobenden Erwähnung ausgezeichnet wird.

Die Jury war in diesem Jahr mit der Schauspielerin Maren Kroymann, der US-amerikanischen Bloggerin Melissa Silverstein und der Niederländerin Claudia Landsberger, Leiterin von EYE International, besetzt. Sie begründet ihre Entscheidung wie folgt:

„Tsangari kreiert mit der 23-jährigen Marina eine originelle, etwas einzelgängerische Frauenfigur, die sich den Herausforderungen des Erwachsen-Werdens mit Neugier und unbestechlichem Wahrheitsdrang stellt. Lebenshilfe bekommt sie von ihrer einzigen Freundin und durch die Tier-Dokumentationen von Sir David Attenborough. Marina entdeckt ihre Sexualität, während sie ihren krebskanken Vater in den Tod begleitet.

Tsangari unterläuft konventionelle Erzählformen, indem sie Stilelemente aus anderen Kunstformen: Tanz – von Ferne grüßt Pina Bausch –, Performance, Tier-Improvisationen und Popmusik spielerisch, aber nie beliebig ineinanderfließen lässt. Die Vorstellung von Normalität wird in entwaffnender, oft sehr komischer Weise dekonstruiert – in der erzählten Geschichte ebenso wie in der Machart des Films. Die Jury ist begeistert von dieser kühnen Frauenfigur, hinreißend verkörpert von Ariane Labed -, die ihr Anderssein selbstverständlich auslebt, ohne ihre Unsicherheit zu überspielen.“


Die Jury vergibt eine lobende Erwähnung an den Film La mosca en la ceniza von Gabriela David, deren unbequemes Thema der Prostitution von Minderjährigen hier einmal in einem Spielfilm behandelt wird. Die kürzlich verstorbene Regisseurin zeigt die Aktualität dieses Themas auf, und dass diese massive Verletzung der Menschenrechte uns alle angeht – in allen Ländern, in allen gesellschaftlichen Schichten – mit der Konsequenz, dass sich die Politik dieses Themas endlich auf höchster Ebene annehmen muss.

Athina Rachel Tsangari hat den Preis am Sonntagabend persönlich von der Jury in Empfang genommen. Preisstifter ist die RWE Vertrieb AG. La mosca en la ceniza wurde in Dortmund von dem Produzenten des Films und Ehemann Gabriela Davids, Enrique Angeleri, präsentiert. Er nahm bei der Preisverleihung die lobende Erwähnung entgegen. Der Preis wurde von Dr. Hanns-Ferdinand Müller (Vorstandssprecher der RWE Vertrieb AG) überreicht.



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