Juízo

Brasilien 2007, Dokumentarfilm, 90' | Regie, Buch Maria Ramos | Bildgestaltung Guy Goncalves | Schnitt Maria Ramos, Joana Collier | Ton Pedro Sá Earp, José Moreau Louzeiro , Denilson Campos | Produktion Thiego Balteiro

Synopsis
Juízo heißt so viel wie „Benehmen“. Im brasilianischen Strafvollzug soll Minderjährigen beigebracht werden, ein „nützliches“ Mitglied der Gesellschaft zu werden. Maria Ramos’ Dokumentarfilm demonstriert eindrucksvoll, dass das nicht funktionieren kann: Bei den Verhandlungen zeigt sich, dass die Kids aus den Favelas nicht einmal wissen, was „Einspruch” bedeutet und dass sie in ihrem Kampf ums Überleben gar keine andere Wahl haben werden, als wieder Verbrechen zu begehen. Dessen sind sich auch die Richterin und die Anwälte bewusst, und so kommt es zu nicht wenigen Szenen, in denen die Absurdität der Situation ganz offen zutage tritt.

Mit Juízo setzt Maria Ramos ihre Untersuchung des brasilianischen Justizsystems fort, das sie mit ihrem vorherigen Film Justiça begonnen hat. Die realen Angeklagten durften aus rechtlichen Gründen nicht gefilmt werden. Deshalb ließ Ramos sie von Stellvertretern darstellen, die ebenfalls aus den Favelas stammen.

„Nachdem ich das erste Mal bei Verhandlungen im Jugendgericht dabei war, blieben mir die Gesichter der Jugendlichen tagelang im Gedächtnis. Als ich beschloss Juízo zu machen, musste ich mich folgender Herausforderung stellen: Wie mache ich einen Film, ohne ihre Gesichter zu zeigen? Meine Lösung war, die Jugendlichen, um die es ging, durch andere Jugendliche zu ersetzen, die selbst unter ähnlichen Umständen sozialer Marginalisierung und Gewalt lebten, und sehr schnell selbst in diese Situation kommen könnten. Sie erleben denselben Konflikt und dieselbe Agonie, wie die Jugendlichen, die sie darstellen. Daraus resultiert Ihre Authentizität im Film. Sie ‚spielen‘ nicht, sie sind sie selbst: Ihre individuellen Persönlichkeiten sind grundlegend für den Film.“
Maria Ramos

 

Biographie
MARIA RAMOS wurde 1964 in Brasília geboren. Sie studierte Musik an der Universität von Brasília, in Paris und London. Ab 1990 besuchte sie die Netherlands Film and Television Academy (NFTA), wo sie sich auf Dokumentarfilme spezialisierte. Ihr erster langer Film Brasília – Um Dia en Fevreiro fand viel Beachtung und erhielt den Jurypreis beim Dokumentarfilmfestival in Saõ Paulo. Justiça erhielt insgesamt neun Auszeichnungen, unter anderem den Großen Preis für den besten Film beim Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon.

Maria Ramos
Brasilien
2007
Dokumentarfilm
2009
Fokus: Freiheit