Hindle Wakes

Großbritannien 1927, Spielfilm, stumm, 117' | Regie Maurice Elvey | Buch Victor Saville | Bildgestaltung Jack E. Cox, William Shenton | Schnitt Gareth Gundrey | Musik In the Nursery, Philip Carli | Darsteller_innen Estelle Brody, John Stuart, Norman Mc, Marie Ault Humbertsom, Peggy Calisle | Produktion Gaumont British Picture Corporation | Kontakt bfi - British Film Institute

Synopsis
Die junge Fanny arbeitet in einer Spinnerei in Lancashire. Ohne Wissen der Eltern verbringt sie mit dem Sohn ihres Chefs ein paar amouröse Tage in Blackpool. Durch einen Zufall kommt es heraus. Ihre Mutter tobt. Als der Fabrikdirektor seinem Sohn befiehlt, die verführte Unschuld zu heiraten, wird aus der liederlichen Dirne in den Augen der Mama, plötzlich ein weitblickendes, gescheites Mädchen, das sich geschickt den reichen Erben geangelt hat. Fanny möchte jedoch keine aufgezwungene Ehe eingehen und hat andere Pläne.
Die radikale Feministin Emma Goldman schrieb 1914 über das dem Film zugrunde liegende Theaterstück:
„Er [der Autor Stanley Houghton] hatte den Mut, einen wunden Punkt des Puritanismus zu berühren – die weibliche Keuschheit. Was man auch sonst kritisieren oder attackieren mag, die Heiligkeit der Keuschheit muss unangetastet bleiben. Sie ist der letzte Fetisch, den sogar so genannte Freigeister nicht zu zerstören wagen.“

Die zeitgenössische Filmkritik lobte die realistische Darstellung des Arbeiteralltags in Hindle Wakes sowie die Überzeugungskraft der Schauspieler, allen voran Estelle Brody als Fanny. „Estelle Brody. Sympathisch keß. Wirklich ein Mädel von heute. Sie sieht über den elterlichen Horizont hinaus. Ist auch dann selbständig, wenn es beginnt, unangenehm zu werden. Mrs. Brody spielt mit verblüffender Leichtigkeit lebenswahrer als die Mehrzahl bekannter Stars zwischen Kalifornien und Moskau.“
Georg Herzberg in: Film-Kurier (Berlin), Nr. 298, 15.12.1928

Stummfilmbegleitung am Klavier: Maud Nelissen

 

Biographie
Estelle Brody, einer der größten Stars des britischen Stummfilms, war Amerikanerin: Sie wurde 1900 in New York geboren. Eine Tatsache, die die nationalistische britische Filmindustrie damals zu vertuschen suchte. Die Tänzerin und Sängerin Brody kam für eine Rolle am West End nach London. Ihre erste Filmrolle spielte sie 1926 in White Heat. Ihren Durchbruch hatte Brody noch im selben Jahr mit Maurice Elveys Kriegsfilm Mademoiselle from Armentieres (1926), der so erfolgreich war, dass er eine Fortsetzung nach sich zog: Mademoiselle Parley Voo (1928).
Ein Versuch, in Hollywood Fuß zu fassen, scheiterte und brachte die britischen Fans gegen sie auf – ihre Karriere schien Anfang der 30er Jahre beendet. 1950 spielte Estelle Brody erstmals wieder in einem Film mit. Sie verkörperte eine Kriegskorrespondentin in They Were Not Divided.
Bis 1980 trat sie in Film und Fernsehen auf. Estelle Brody starb 1995 in Malta.

Maurice Elvey
Großbritannien
1927
Spielfilm, Stummfilm
2009
Fokus: Freiheit