Harlan County USA

USA 1976, Dokumentarfilm, 100' | Regie, Buch Barbara Kopple | Bildgestaltung Hart Perry, Kevin Keating | Schnitt Nancy Baker, Mary Lampson, Mirra Bank | Ton Barbara Kopple, Tim Coleman, Bob Gates, John Walz, Josh Waletzky, Lee Dichter | Musik Merle Travis, Nimrod Workman, Sarah Gunnings, Florence Reese, Hazel Dickens | Produktion Cabin Creek Films | Verleih Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V.

Synopsis
Die Grubenarbeiter des Bergwerkstädtchens Brookside begannen 1973 einen harten Arbeitskampf, wie ihn die USA nach dem Krieg selten erlebt hatten. Sie wollten die Minenbesitzer zu einem ersten gemeinsamen Tarifvertrag zwingen. Die ausgebeuteten und vom Kohlenstaub kranken Kumpel mussten sich nicht nur gegen den Streikbrecher-Terror der Arbeitgeber, sondern auch gegen die unfähige, korrupte Führung ihrer Gewerkschaft durchsetzen.
Von diesem auf allen Seiten mit Ausdauer und Härte geführten Arbeitskampf berichtet die 1977 mit dem Oscar prämierte Dokumentation Harlan County USA. Nachdem der Arbeiterführer Yablonski mit Frau und Tochter von gedungenen Killern im Auftrag führender Gewerkschafter ermordet worden war, formierte sich eine „Miners of Democracy“-Kampagne, die unter den kriminellen Union-Bossen aufräumen wollte.

Die amerikanische Regisseurin Barbara Kopple sollte zunächst nur einen Film über diese Kampagne drehen. Aber sie blieb länger als vorgesehen: Drei Jahre lebte Kopple mit ihrem Team unter den Betroffenen in Brookside und erlebte hautnah, wie sich die Grubenarbeiter radikalisierten, um ihre Rechte zu erkämpfen. Sie beobachtete die Arbeiter auf Streikposten, bei Versammlungen ihrer Gewerkschaftsgruppen und in ihrem Heim. Kopple verzichtet auf Kommentare, lässt die Betroffenen auf beiden Seiten ihre Ansichten vortragen, Veteranen von den großen Streiks der dreißiger Jahre berichten und zeigt die Kumpels bei der ärztlichen Untersuchung. Sie lässt Statistiken für sich selbst sprechen und beobachtet, wie der Kampf durch bewaffnete Streikbrecher in immer gewalttätigere Bahnen gerät. Sie zeigt den Mut und vor allem auch die Angst der Arbeiter, die nachts von bezahlten Provokateuren beschossen werden. Besonderes Augenmerk richtet Kopple auch auf die Solidarität und Stärke der Frauen von Brookside. Die Frucht dieses Ausharrens ist ein atemberaubender Film, der auf Pathos ebenso verzichtet wie auf falsche Sentimentalität.

Kopple ergreift eindeutig Partei für die Streikenden, aber sie beschönigt nichts und diffamiert niemanden. Sie lässt ihr reiches Material sprechen und stellt mit harten, schnellen Schnitten das wirkliche Elend der Bergarbeiter den beschönigenden Worten der Minenbesitzer gegenüber.

 

Biografie
Die Dokumentar- und Spielfilmregisseurin und Produzentin Barbara Kopple wurde 1946 in New York geboren. Sie studierte Klinische Psychologie an der Northeastern University. Berühmt wurde sie mit Harlan County USA (1976) und American Dream (1990), für die sie jeweils einen Oscar erhielt. Im Schulfilmprogramm des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund I Köln war auch Kopples Film The Dixie Chicks: Shut Up and Sing (2006) zu sehen.

Barbara Kopple
USA
1976
Dokumentarfilm
2009
Fokus: Freiheit