Geiger von Florenz, Der

Deutschland 1926, Spielfilm, stumm, 68' | Regie, Buch Paul Czinner | Bildgestaltung Adolf Schlasy, Arpard Viragh | Musik Giuseppe Becce | Darsteller_innen Elisabeth Bergner, Nora Gregor, Conrad Veidt, Walter Rilla, Grete Mosheim, Ellen Plesnow

Synopsis

Die junge Renée hat ihre Mutter verloren und kann sich nicht damit abfinden, dass ihr Vater eine andere Frau geheiratet hat. Es entbrennt ein Zickenkrieg. Renée wird in ein schweizer Internat abgeschoben. Sie läuft davon und gelangt im Kostüm eines Hirtenjungen nach Italien. Ein Maler wird auf den Geige spielenden „Knaben“ aufmerksam und macht Renée zu seinem Modell. Die beiden fühlen sich wie magisch voneinander angezogen. Das Bild des „Geigers von Florenz“ lockt den besorgten Vater herbei, Renées Inkognito ist gelüftet, Maler und Modell können einander ihre Liebe gestehen.Stummfilmbegleitung am Klavier: Ruth Bieri

Biographie
Elisabeth Bergner wurde 1897 geboren. Sie studierte an einer privaten Schauspielschule, dann am Wiener Konservatorium. Es folgten zahlreiche Theater-Engagements. 1923 gelang ihr als Rosalind in Max Reinhardts Inszenierung von Wie es euch gefällt der große Durchbruch: „‚Bergner! Bergner!’ rief die Galerie. Und wir, die wir dabei waren, nuckelten mit dem Kopf und segneten sie und wünschten ihr alles Gute. Betend, daß Gott sie erhalte, so jung, so schön, so hold. Und daß der Film ihr fernbleibe .....' (K. Tucholsky, Die Weltbühne, 10.5.1923).

Ebenfalls 1923 tritt sie als bucklige Schneiderstochter in Der Evangelimann erstmals im Film auf. 1924 beginnt ihre künstlerische Zusammenarbeit mit ihrem Lebensgefährten Paul Czinner, der ihr Rollen auf den Leib schreibt, die Bergners erotische Ambiguität nutzen: „Ihre so zarte und zerbrechliche wie burschikose Grazie, ihr Augenaufschlag, ihre Art, den dunklen Schopf seitlich an der Wange herabfallen zu lassen und wieder wegzuschütteln, die fröstelnde Geste, mit der sie die Schultern zusammenpreßte und hochzog, wurden tausendfach nachgeahmt. Als ganz Berlin, wie Kortner sagte, ein Verhältnis mit ihr hatte, waren ihre Liebhaber beiderlei Geschlechts. Sie schuf, oder sie veranschaulichte, jenes androgyne Schönheitsideal, das alle Welt sich nach Jahrhunderten fülliger, trippelnder Weiblichkeit herbeigesehnt hatte.' (Spiel, 1986).

Bergner und Czinner, beide jüdischer Abstammung, emigrierten 1933 nach England und heirateten. Sie spielte weiter im Theater und im Film. 1935 wurde sie für ihre Rolle in Escape me never (Verlass mich niemals) für einen Oscar nominiert.
1940 siedelten Bergner und Czinner nach Hollywood über. Nach dem Krieg konnte Bergner an ihre Erfolge anknüpfen. Ab Mitte der 50er Jahre trat sie auch in der BRD auf. Darstellungen eigenwilliger alter Damen im deutschen Fernsehen beschlossen ihre lange Laufbahn. Elisabeth Bergner starb 1986 in London.

Paul Czinner
Deutschland
1926
Spielfilm, Stummfilm
2009
Fokus: Freiheit