Mädchen, Das (Eltávozott nap)

Ungarn 1968, Spielfilm, 85' | Regie, Buch Márta Mészáros | Bildgestaltung Tamás Somió | Schnitt Zoltan Farkas | Ton Zoltán Toldy | Musik Levente Szörényi | Darsteller_innen Kati Kovács, Teri Horváth, Adám Szirtes, András Kozák, Gábor Agárdy, Jácint Juhász | Verleih Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V.

Synopsis
Junge Bogenschützinnen beim Training: Erzsi Szönyi legt an, um dieses Mal ins Ziel zu treffen. Sie ist eine junge schweigsame Fließbandarbeiterin aus Budapest, lebt in einem Wohnheim und ist aufgewachsen in einem Waisenhaus, ohne Waise zu sein. Ihre Mutter hat das uneheliche Kind weggegeben, um heiraten zu können. Erzsi beschließt, mit Hilfe einer Annonce ihre unbekannte Mutter zu suchen. Tatsächlich meldet sich Frau Zsámboki und lädt Erzsi zu sich ein. Doch die Begegnung wird eine Enttäuschung, weil ihre verheiratete Mutter den damaligen "Fehltritt" vor Mann und Sohn verheimlichen will und ihre Tochter als Nichte ausgibt.
Im Laufe eines Tages bekommt Erzsi einen beklemmenden Eindruck vom Leben auf dem Lande. Die Frauen sind gebückte Wesen und tragen Kopftücher. Erzsis Bad im Fluss wird gleich zum Gesprächsstoff, ein Spaziergang durchs Dorf scheint schon ein Problem zu sein. Dann beginnt auch noch Herr Zsámboki seiner attraktiven "Nichte" aus der Großstadt Avancen zu machen. Erzsi reist wieder ab und lässt mit dem Dorf auch die Vergangenheit hinter sich.
Erzsis Leben geht eintönig weiter, bis sie auf einer Beatparty zum ersten Mal einen jungen Mann kennen lernt, für den sie intensive Gefühle empfindet. Man merkt Eltávozott nap deutlich an, dass Márta Mészáros Erfahrungen im Dokumentarfilm gesammelt hat: Umwelt und Milieu werden sachlich und präzise geschildert; die Echtheit im Detail verleiht ihrem Film Überzeugungskraft.

Biographie

MÁRTA MÉSZÁROS wurde 1931 als Tochter eines Bildhauers und einer Deutschlehrerin geboren. Ihr Vater war ein engagiertes Parteimitglied der kommunistischen Partei Ungarns und wanderte 1936 mit seiner Familie in die Sowjetunion aus. 1938 wurde der Vater im Zuge der „großen Säuberung“ inhaftiert. Seitdem verlor sich seine Spur, Márta Mészáros' Mutter starb wenig später. Bis zu ihrer Rückkehr nach Ungarn nach dem 2. Weltkrieg wurde Mészáros von einer ungarischen Ziehmutter beaufsichtigt.
Zum Studium kehrte sie wieder nach Moskau zurück. 1956 beendete sie ihr Studium an der Filmhochschule Moskau (VGIK). Zurück in Ungarn drehte sie zunächst vor allem Dokumentarfilme. 1968 realisierte sie mit Eltávozott nap ihren ersten Spielfilm, der erste Spielfilm in Ungarn, der von einer Frau gedreht wurde. International bekannt wurde sie, als sie mit ihrem Film Adoption überraschend auf der Berlinale 1975 den Goldenen Bären gewann. Márta Mészáros verarbeitete ihr eigenes Schicksal und das ihrer Familie in einer Reihe von autobiographisch gefärbten Tagebuch-Filmen.

Márta Mészáros, Marta Meszaros
Ungarn
1968
Spielfilm
2009
Fokus: Freiheit