Mutum

Frankreich/Brasilien 2007, Spielfilm, 95' | Regie Sandra Kogut | Buch Ana Luiza Martins Costa | Bildgestaltung Mauro Pinheiro jr. | Schnitt Sérgio Mekler, Márcio Câmara | Ton Stéphane Thiébaut, Márcio Câmara | Darsteller_innen Thiago da Silva Mariz, Wallison Felipe Leal Barroso, Maria Juliana Souza de Oliveira, Brenda Luana Rodrigues Lima, João Vitor Leal Barroso | Vertrieb TF1 International

Synopsis
Der zehnjährige Thiago lebt mit seiner Familie auf der isolierten Farm Mutum, irgendwo im Sertão, dem trockenen Hinterland im südöstlichen brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Das Universum der BewohnerInnen von Mutum reicht gerade bis zu der nächsten Kleinstadt. Das Meer - wenn einmal davon gesprochen wird - ist ein mythischer Ort, den man sich kaum vorstellen kann und vielleicht niemals sehen wird.

Mutum bedeutet stumm auf Latein. Aber auch einen schwarzen Vogel, der nur nachts singt, nennen die BewohnerInnen des Sertão so. Genau so fremd und unheimlich wie sein Gesang erscheint Thiago die Welt der Erwachsenen. Aus seiner Perspektive wird der ganze Film erzählt. Sandra Kogut zeigt die kleinen Freuden, die die ärmliche Farm Thiago und seinen Geschwistern zu bieten hat. Geduldig folgt die Kamera dem kindlichen Blick auf die Welt.
Mutum - Stumm. Nur so kann Thiago auf die Gewalt seines Vaters gegen seine Mutter und gegen ihn selbst reagieren. Niemals antwortet er sofort, wenn ein Erwachsener eine Frage an ihn richtet. Als der Vater seine Vogelkäfige zerstört, um ihn zu bestrafen, kann Thiago nur darauf antworten, indem er das Werk der Zerstörung fortführt. Er holt sein Spielzeug und vernichtet es. Will er sich damit selbst bestrafen? Oder will er dem Vater zeigen, dass dessen Brutalität ihn nicht trifft?
MUTUM basiert auf der Geschichte "Campo Geral" ("Miquilims Kindheit") des aus Minas Gerais stammenden Schriftstellers João Guimarães Rosa, der als einer der wichtigsten brasilianischen Autoren des 20. Jahrhunderts gilt. "Der Film ist weniger eine Adaption des Buches als vielmehr ein Dialog mit der Erzählung", sagt Kogut. Auch das Drehbuch wurde niemals endgültig festgelegt. Bei der Arbeit mit den LaienschauspielerInnen wurde es immer wieder verändert und angepasst.

Biographie
Sandra Kogut
wurde in Rio de Janeiro geboren und lebte und arbeitete auch in Frankreich und den USA. Sie begann ihre Karriere als Performance- und Installations-Künstlerin. Ihre Arbeiten, die sich zwischen Dokumentation und Fiktion bewegen, wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im "Museum of Modern Art" und dem "Guggenheim Museum" in New York. Ihre Kurzfilme gewannen zahlreiche Preise, unter anderem bei den "Kurzfilmtagen Oberhausen", dem "DOKfest Leipzig" und der "Ungarischen Filmwoche". Ihr erster langer Spielfilm MUTUM wurde beim "Festival de Cannes" 2007 gezeigt.

Sandra Kogut
Frankreich, Brasilien
2007
Spielfilm
2008
Debüt-Spielfilmwettbewerb