Manchmal möchte man fliegen

Deutschland 1981, Dokumentarfilm, 60' | Regie Gitta Nickel | Buch Gitta Nickel, Wolfgang Schwarze | Bildgestaltung Nico Pawloff | Produktion Arbeitsgruppe Effekt, DEFA Studio für Dokumentarfilme | Verleih Progress Film-Verleih

Synopsis

»Ich will immer möglichst genau und im Detail wissen, was der Andere gemacht hat, wie er lebt, wie er denkt, was er hinter sich gebracht hat, was er erreicht und was er erlitten hat, was seine Wünsche und Hoffnungen sind. Und das ist eine Neugier für die Menschen. Und ich bin mir sicher, dass diese ständige und nie versiegende Neugier ein entscheidender Antrieb war und ist, Dokumentarfilme zu machen.«
Gitta Nickel

In Manchmal möchte man fliegen begleitetet Gitta Nickel ein Jahr lang eine Arbeitsbrigade, die auf einer Baustelle in Berlin-Marzahn eine Plattenbausiedlung hochzieht. Der Film erzählt vom Lebensgefühl der jungen Bauarbeiter in der DDR und ihren Alltagsschwierigkeiten: Mal gibt es nur Außenwände und keine Deckenplatten, mal kommt gar nichts auf der Baustelle an. Dass die Männer ihren Plan nicht erfüllten, lastet die Betriebs- und Parteileitung ihnen selbst an.
Die Reaktionen auf den Film waren geteilt: Zwar erhielt er eine Silberne Taube beim Internationalen Dokumentarfilmfestival in Leipzig, aber von offizieller Seite hieß es, er habe die »falsche« Brigade porträtiert. Die FDJ überzog Nickel in ihrem Sprachrohr Junge Welt mit einer Medienkampagne.
Überliefert ist der Ausspruch des erzürnten Politbüro-Funktionärs Kurt Hager »Dieses Mal lassen wir sie noch fliegen, das nächste Mal fliegt sie!«. Der Film war in der DDR zwar nicht verboten, wurde aber nur in Filmklubs gezeigt.
19 Jahre später kehrte Nickel für den ORB nochmals nach Marzahn zurück und drehte Die da in der Platte mit teilweise denselben Protagonisten.

Biographie

Gitta Nickel ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Dokumentaristinnen der DDR. Sie begann als Regieassistentin beim Spielfilm, bevor sie Anfang der 1960er Jahre in die Dokumentarfilm-Abteilung der DEFA wechselte. 1965 realisierte sie mit Wir verstehen uns ihren ersten eigenen Film. Es folgten in nahezu jährlichem Rhythmus Produktionen. In ihrem Oeuvre spielen Arbeitswelten und -bedingungen, biografische Porträts und Filme über Frauen eine herausragende Rolle. Immer wieder thematisierte sie Fragen nach Gleichberechtigung und Emanzipation. Nach 1989 etablierte sich Gitta Nickel als freie Dokumentarfilmerin. Der filmische Zugang der Filmemacherin zeugt von ihrer großen Empathie für ihre Protagonist_innen, doch bar jeder Sentimentalität.
Gitta Nickel war unter anderem im Vorstand des Verbands der Film- und Fernsehschaffenden der DDR, Komitee- und Jurymitglied der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche und Präsidentin des Nationalen Festivals für Dokumentar- und Kurzfilme Neubrandenburg.


Filme von Gitta Nickel (Auswahl)
Gundula – Solo für eine Krankenschwester 2004 | Zwei Deutsche 1988 | Gundula – Jahrgang 1958 1982 | Und das Weib sei nicht mehr untertan 1979 | Das ist einfach mein Leben 1975 | Heuwetter 1972 | Sie 1970 | Sibirien, Mein Haus 1967 | Dann springt mein Herz 1966

Gitta Nickel
Deutschland
1981
Dokumentarfilm
2011
Fokus: Was tun