Faceless

Großbritannien/Österreich 2007, Spielfilm, 50' | Regie, Buch, Schnitt Manu Luksch | Ton Alexander Koller | Musik Mukul Patel, Rupert Huber | Darsteller_innen Manu Luksch, William Trevitt, Adam Ahmed, The Ballet Boyz Lakeside Workshop | Produktion Ambient Information Systems

Synopsis
Der Filmemacher darf keine Kameras oder Licht am Drehort benutzen. Manifest für Überwachungsvideo-Filmemacher „In Faceless wird (...) eine Science-Fiction-Geschichte ausgebreitet, die in ihrer, durch das Überwachungsmaterial bedingten, Single-Frame-Ästhetik an Chris Markers Geschichte machenden Film-Comic La Jetée (1962) denken lässt. Luksch selbst hat sich in London an diversen Orten vor CCTV-Kameras produziert und die Bilder später auf bürokratischem Weg angefordert, wobei sie eben nicht in der Reihenfolge ihres Zustandekommens auch in Österreich eingetroffen sind und die Geschichte somit vom Big Brother umgeschrieben wurde.

Faceless ist jedenfalls eine elektrisierend instrumentierte Reise durch die Hässlichkeit dieses Materials, zugleich die Ausformulierung eines neuen Typus’ des Filmhelden, der geschichtslosen Heroin nämlich, deren schlussendliche Sinnhaftig- oder Sinnlosigkeit von einem Apparat bestimmt wird.“ (Markus Keuschnigg, fm4) Angst löscht die Gegenwart aus. Sie speist sich aus einer Vergangenheit, die sich unkontrolliert über die Gegenwart hinweg ausbreitet und von der Zukunft Besitz ergreift. Diese Angst zu bannen, indem man Vergangenheit und Zukunft ausschaltet, ist das Versprechen des Überwachungsstaates. Ein Versprechen, das die permanente Observation des öffentlichen Raums legitimieren will, welche den Traum vom sorgenfreien Dasein im abgeschotteten Jetzt in einen real gewordenen Alptraum verkehrt. Manu Luksch erzählt von diesem Alptraum mit dem Bildmaterial, das sie den Betreibern von Londoner Videoüberwachungsanlagen unter Berufung auf das britische Datenschutzgesetz abgerungen hat. In fantastisch-poetischer Verkettung lässt sie beklemmend vertraute Stadtansichten zum Schauplatz eines Schicksalsszenarios werden.

Einst gesichts- und geschichtslos wie die Menschen, die auf den Aufnahmen aufgrund der gesetzlichen Regelung zum Schutz der Privatheit unkenntlich gemacht wurden, taucht die Protagonistin von Faceless mit ihrem plötzlich wiedererlangten Gesicht aus einem Datendasein hervor und in eine vergessen geglaubte Geschichte ein. Die Erzählstimme aus dem Off wird von der britischen Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton gesprochen.

 

Biographie
Manu Luksch studierte an der Akademie der Bildenden Künste Wien, an der Chulakorn University und der Chiang Mai University in Thailand. Sie war künstlerische Leiterin des Medienlabors München und ist Gründungsmitglied der interdisziplinären Kunstproduktionsplattform ambientTV.NET mit Sitz in London. Luksch setzt sich in ihren Arbeiten mit einem durch Netzkultur erweiterten Filmbegriff und Erzählstrukturen auseinander.

Manu Luksch
Großbritannien, Österreich
2007
Experimentalfilm
2009
Fokus: Freiheit