Au voleur

Frankreich 2009, Spielfilm, 96' | Regie Sarah Leonor | Buch Sarah Leonor, Emanuelle Jacob | Bildgestaltung Laurent Desmet | Schnitt Francois Quiqueré | Ton Matthieu Deniau, Philippe Grivel, John Iranzo, Yves Servagent | Musik Frank Beauvais | Darsteller_innen Guillaume Depardieu, Florence Loiret Caille, Jaques Nolot, Benjamin Wangermée, Rabah Nait Oufella, Fejria Deliba, Bruno Clairefond, Tony Lemaitre, Frédéric Jessua | Produktion Les Films Hatari, Studio Orlando

Synopsis
"Ich würde sagen, Au voleur ist ein heller Film Noir."
Sarah Leonor

Bruno leistet erste Hilfe, als die Deutsch-Lehrerin Isabelle von einem Auto angefahren wird. Eigentlich will er aber ihr die Armbanduhr klauen - genau in diesem Moment kommt Isabelle jedoch wieder zu sich. Einige Zeit später erblickt Isabelle Bruno in einer Bar. Sie fühlt sich angezogen vom kantigen, undurchschaubaren Mann und beginnt mit ihm eine leidenschaftliche Beziehung.
Als die Polizei Bruno wegen Autodiebstahls dingfest machen will, gerät das Leben beider aus den Fugen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd finden sie sich in einem Wald wieder. Im nahe gelegenen Fluss klaut das Paar ein Boot, mit dem es seine Flucht fortsetzt. Das Gefühl gehetzt zu werden scheint sich hier jedoch aufzulösen, Bruno und Isabelle erschließt sich eine scheinbar schrankenlose Welt, in der sie eine kurze, sorgenfreie Zeit verleben.

"Au voleur ist keine klassische 'Die Lady und der Dieb'-Story", sagt die Regisseurin. Isabelle hat zwar die Universität besucht, hat aber denselben sozialen Hintergrund wie Bruno. Beide haben sich auf ihre Weise daraus geflüchtet: Er, indem er die Kunst des Stehlens perfektionierte, sie, indem sie eine fremde Sprache annahm. Aber beide drehen sich in ihrem Käfig im Kreise, wie Der Panther in dem Gedicht von Rilke, das Isabelle ihren Schülern vorliest. Bis sie schließlich ausbrechen.
Der Wald, in den sie sich flüchten, erscheint als Gegen-entwurf zu der Welt in der Isabelle und Bruno bisher gelebt haben. Sie kommen aus dem Außenbezirk einer kleinen Stadt, einer Art ausgedientem, urbanem Gebiet, wo niemand jemals verweilt, wo Züge ohne Halt in Hochgeschwindigkeit durchfahren, wo der nie endende Lärm der Autobahnen die Menschen immer nur irgendwo anders hinbringt.
Au voleur ist der letzte Film von Guillaume Depardieu, der am 13. Oktober 2008 unerwartet im Alter von 37 Jahren verstarb. Nicht zuletzt seine Darstellung des Bruno und die experimentelle Filmmusik von Frank Beauvais machen den Film zu einem besonderen Erlebnis.

 

Biographie
Sarah Leonor wurde in Strasbourg geboren und wuchs in Mulhouse auf, wo sie als Jugendliche zu fotografieren begann und das Kino als Fenster zur Welt für sich entdeckte. Sie kehrte zurück nach Strasbourg, um Geschichte und Russisch zu studieren.
Sie begann für das Filmmagazin Limelight zu arbeiten. Mit einem befreundeten Filmstudenten machte sie erste Regieversuche. L'arpenteur (Der Landvermesser) ein längerer Kurzfilm, der in Zusammenarbeit mit Michel Klein entstand, wurde mit dem Jean Vigo Preis ausgezeichnet.
Au voleur
ist ihr erster langer Spielfilm.

Sarah Leonor
Frankreich
2009
Spielfilm
2010
Debüt-Spielfilmwettbewerb