Alle anderen

Deutschland 2009, Spielfilm, 119' | Regie, Buch Maren Ade | Bildgestaltung Bernhard Keller | Schnitt Heike Parplies | Ton Franz Bubenzer, Daniel Iribarren | Darsteller_innen Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jorgen Wagner, Nicole Marischka, Mira Partecke, Atef Vogel, Paula Hartmann, Carina Wiese, Claudio Melis | Produktion Komplizen Film, SWR, wdr, arte | Verleih Prokino

Synopsis
Chris und Gitti verbringen ihren Urlaub im Haus seiner Eltern auf Sardinien: Hängen am Pool herum, geben sich kindischem Verhalten hin und flüchten vor anstrengenden Nachbarn – als Paar, das fernab von allen Anderen seine Rituale pflegt. Es hätte ein ganz normaler Urlaub werden sollen: kein Drama, keine Paartherapie, einfach mal raus aus dem Alltag. Der Alltag aber eröffnet eine Vielzahl an Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten, die ein Ferienhaus per se nicht bietet. Eine Begegnung bringt die Beziehung ins Wanken.
Hans und Sana sind das scheinbar perfekte Paar. Sie sind nicht nur erfolgreicher, sondern verstehen es zudem, eine konventionelle Mann-Frau-Rollenverteilung im modernen Gewand zu leben, und scheinen dabei glücklich zu sein. Während es Gitti schwer fällt, ihre Abscheu gegen Sanas Lieblichkeit und Hans’ Platzhirschverhalten zu verbergen, versucht Chris, vor Hans und Sana „gut abzuschneiden“. Chris beginnt, sich an den Anderen zu orientieren. Gittis Versuch, seinem Wunschbild der zurückhaltenden sanften Frau gerecht zu werden, wirkt anfangs wie ein Spiel, wird aber allmählich zu einem stillen Kampf gegen sich selbst. Chris blüht auf – sie aber steht kurz davor, sich zu verlieren. Sie entfernen sich immer mehr von dem Paar, das sie waren.
Mit subtilem Humor und grausamer Genauigkeit erzählt Alle Anderen von den widersprüchlichen Sehnsüchten eines Paares auf der Suche nach seiner Identität. Die Angst der Protagonisten vor Verantwortung und eigenen Gefühlen spiegelt ihre emotionale Orientierungslosigkeit wider. Eine intime Liebesgeschichte, die in die Tiefen einer Beziehung eintaucht und sich dabei ganz auf das feine, berührende Spiel ihrer Darsteller verlässt.
Wie schon Maren Ades Debüt Der Wald vor lauter Bäumen entwickelt Alle Anderen aus einer einfachen Grundsituation eine vielschichtige Erzählung, die eine große Sogwirkung entfaltet. Dabei zeigt Maren Ade erneut ihre Fähigkeiten, so wahrhaftig zu inszenieren, dass wir uns der Gefühlswelt der Figuren nicht entziehen können.
Alle Anderen lief im Wettbewerbsprogramm der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin und erhielt dort den Silbernen Bären in den Kategorien Großer Preis der Jury und Beste Darstellerin (Birgit Minichmayr).

 

Biographie
Maren Ade wurde 1976 geboren. Sie studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film München Produktion und Medienwirtschaft sowie Film- und Fernsehregie. Ihr erster Kurzfilm Ebene 9 (2000) wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt. Ihr erster Langspielfilm und Abschlussfilm Der Wald vor lauter Bäumen (2003) wurde für den Deutschen Filmpreis nominiert und gewann unter anderem den Special Jury Award des Sundance Festivals 2005.

Maren Ade
Deutschland
2009
Spielfilm
2009
Spielfilmwettbewerb