Standesgemäß

Deutschland 2008, Dokumentarfilm, 87' | Regie, Buch Julia von Heinz | Bildgestaltung Marcus Winterbauer, John Quester, Axel Schneppat | Schnitt Frank Brummundt | Ton David Urban | Musik Matthias Petsche | Darsteller_innen Verena von Zerboni di Sposetti, Alexandra Gräfin von Bredow, Alexandra Freiin von Beaulieu | Produktion John Quester

Synopsis

„Wenn eine Adelige einen Bürgerlichen heiratet, ist sie zu 50 Prozent draußen. Wenn sie ihren Namen behält, ist sie zu 100 Prozent draußen. Wenn sie ihrem Mann den Namen weitergibt, ist sie zu 175 Prozent draußen.“ Baronesse Alexandra von Beaulieu Marconnay Gräfin Alexandra von Bredow lebte ein wildes Leben mit rauschenden Bällen. Heute bewohnt sie eine Einzimmer-Wohnung und lebt davon, Halsketten herzustellen. Im Alter von 48 Jahren findet sie nach Depressionen und Rückschlägen endlich die große Liebe. Baronesse Alexandra von Beaulieu Marconnay, Oboistin und Lehrerin, hat nach dem Tod des Vaters eine enge Beziehung zu ihrer Mutter. Beim Umzug in eine neue Stadt nützen ihr ihre adeligen Verbindungen, um dort Fuß zu fassen. Doch es fällt ihr schwer, aus dem Schatten der Mutter und der mächtigen Ahnenreihe zu treten. Verena von Zerboni di Sposetti hat mit Mädcheninternat und Jurastudium eine elitäre Erziehung genossen. Mit der Entscheidung, ihren Beruf als Rechtsanwältin aufzugeben und etwas völlig anderes zu machen, katapultiert sie sich aus der adeligen Gesellschaft heraus und muss sich ganz neu orientieren. Standesgemäß ist ein augenzwinkernder Abgesang auf eine aussterbende Parallelgesellschaft. Julia von Heinz porträtierte drei adelige Singlefrauen jenseits der Dreißig zwischen traditionellem Anspruch und Alltag, überfordert von den tief verinnerlichten Erwartungen an sie. Das Empfinden, besonders zu sein, sitzt tief. Doch innerhalb des skurrilen Mikrokosmos‘ des deutschen Adels gilt noch immer das „Mannesstammprinzip": Während ein männlicher Adeliger ohne weiteres eine Bürgerliche durch Heirat in seinen Stand erheben kann, verhält es sich bei den Damen umgekehrt: Sie verlieren ihren Titel und ihren Platz in der Gesellschaft. Wenn sie also weiterhin blaublütig sein wollen, müssen sie standesgemäß heiraten oder alleine bleiben .....

Biographie

Die 1976 in Berlin geborene Julia von Heinz ist ausgebildete Mediengestalterin und Diplomkamerafrau. 2006 promovierte sie zum Thema „Der Einfluss des Fernsehens auf die Stoffauswahl des deutschen Kinofilms“. Von Heinz arbeitete als künstlerische Mitarbeiterin von Rosa von Praunheim an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg und als Dozentin für Regie an diversen Hochschulen und Fachhochschulen. Ihr erster Kino-Langfilm Was am Ende zählt feierte auf der Berlinale 2007 seine Premiere und wurde weltweit zu Festivals eingeladen. Standesgemäß ist ihr erster Dokumentarfilm. Von Heinz stammt selbst aus einer Adelsfamilie. Sie heiratete einen Bürgerlichen und behielt ihren Namen.

Julia von Heinz
Deutschland
2008
Dokumentarfilm
2009
Fokus: Freiheit