Das Schweigen des Palastes (Samtu Al-Qusur)

Tunesien/Frankreich 1994, Spielfilm, 127’ | Regie, Buch, Schnitt Moufida Tlatli | Bildgestaltung Youssef Ben Youssef | Musik Anouar Brahem | Produzenten Ahmed Bahaeddine Attia, Richard Magnien | Weltvertrieb Fortissimo Films

»Aus dem Blickwinkel eines Kindes habe ich versucht, die Welt der orientalischen Fürsten und die von ihnen ausgehende Ungerechtigkeit darzustellen, die vom Glanz einer Jahrtausende alten dekadenten Kultur verstellt ist. Obwohl es das Schicksal des Kindes ist, seiner Mutter in die Sklaverei zu folgen, wollte ich auch die Fähigkeit der Frauen, mit diesen Bedingungen zu brechen, zeigen. Alía ist die erste aus ihrer Familie, die es wagt, sich selbst zu behaupten.«
Moufida Tlatli

Samtu A-Qusur spielt im bereits unabhängigen Tunesien und erzählt in Rückblenden die letzten Jahre der Monarchie unter französischer Regentschaft. Die erfolgreiche Sängerin Alía streift in einem Vorort von Tunis durch die Ruine des Palasts von Sid’ Alí. Als uneheliche Tochter einer Dienerin war sie dort zur Welt gekommen. Mit 15 Jahren war sie aus dem Palast geflohen. Soziale Hierarchien und Hierarchien zwischen Männern und Frauen sind ihr seit der Kindheit vertraut. Jetzt steigt sie hinab in die unteren Räume, die sich mit Leben und mit Erinnerungen an Frauen füllen, die passiv ihre Situation erduldeten.

»Unser Leben ist eine Ausgangssperre«, sagt eine der Dienerinnen darin. Mit einem Kino der Blicke und Gesten setzt Moufida Tlatli sich über diese Sperre hinweg. Mit dem Werk tritt die Regisseurin für die Republik ein und prangert gleichzeitig an, dass sich die Situation der Frauen noch nicht genug verbessert habe. Der Film gilt als feministischer Filmklassiker – auch wenn die Regisseurin ihn selbst in Interviews nicht als feministisch definiert hat. Tlatli hat Samtu A-Qusur ihrer Mutter gewidmet.

 

Biografie
MOUFIDA TLATLI wurde 1947 in Sidi Bou Saïd, einem Vorort von Tunis, geboren. Von 1966 bis 1968 studierte sie am Institut des Hautes Études Cinématographiques (IDHEC) in Paris. Anschließend kehrte sie nach Tunis zurück, arbeitete allerdings auch als Cutterin in Paris. In Tunesien wirkte sie bei zahlreichen Filmprojekten mit und zählt mit Férid Boughedir und Nacer Khemir zu den bedeutenden Filmemacher_innen des Landes. Mit Samtu Al-Qusur legte sie 1994 ihren Debütfilm vor. Moufida Tlatli war im Januar 2011 Kulturministerin im ersten tunesischen Übergangskabinett, das auf Druck der Straße hin jedoch nach zehn Tagen wieder aufgelöst wurde.

 

Filme von Moufida Tlatli
Nadia et Sarra 2003 | La Saison des Hommes 2000

 

Preise für ›Samtu Al-Qusur‹
Goldene Kamera, Festival de Cannes 1994 | Golden Tanit, Carthage Film Festival 1994 |  Sutherland Award, British Film Institute 1994 |  International Kritikerpreis, Toronto Film Festival 1994 |  Goldene Tulpe, Istanbul International Film Festival 1994

 

 

Moufida Tlatli
Tunesien, Frankreich
1994
Spielfilm
2012
Fokus: Die arabische Welt